Am 12. August 2026 ereignet sich eines der beeindruckendsten Naturschauspiele überhaupt: Eine totale Sonnenfinsternis. Bei diesem astronomischen Ereignis wird die Sonne von bestimmten Gebieten auf der Erde aus gesehen durch den Mond teilweise oder ganz verdeckt. Die totale Finsternis ist in Teilen Grönlands, Islands und Spaniens zu beobachten, eine partielle Finsternis in größeren Gebieten Kanadas, Nord- und Westeuropas sowie Nord- und Westafrika.

Eclipse Predictions by Fred Espenak, NASA's GSFC - http://eclipse.gsfc.nasa.gov/

Wenn sich der Mond dem Sonnenlicht in den Weg stellt, wird es wortwörtlich dunkel. Hauptsächlich gestreutes (sozusagen indirektes) diffuses Sonnenlicht sorgt aber auch bei einer totalen Sonnenfinsternis noch für eine gewisse Helligkeit und mitunter für ungewohnte Himmelsfarben. Bei einer totalen Sonnenfinsternis geht die sogenannte Beleuchtungsstärke nichtsdestotrotz auf etwa 1/10.000 bis 1/100.000 der normalen Sonnenscheinhelligkeit zurück. Das schwindende Sonnenlicht resultiert schließlich in Änderungen meteorologischer Bedingungen. So geht beispielsweise die Temperatur zurück (sofern keine wärmeren Luftmassen herangeführt werden). Auch lokale Windverhältnisse ändern sich zum Teil spürbar. So werden insbesondere kurz vor und kurz nach einer totalen Sonnenfinsternis oft Windböen beobachtet. Die vorübergehende, böige Windzunahme wird auch als "Finsterniswind" bezeichnet. Dass eine solche "abnormale" Verdunklung gepaart mit den Veränderungen meteorologischer Bedingungen nicht spurlos an Mensch, Tier und Pflanze vorbei geht, liegt auf der Hand. Bei einer partiellen Sonnenfinsternis sind die Auswirkungen allerdings ungleich geringer.

KI-Bild von einer totalen Sonnenfinsternis

Im Gegensatz zur Menschheit "kennt" die Tier- und Pflanzenwelt eine Sonnenfinsternis aufgrund der lokal betrachteten Seltenheit in der Regel nicht. Das soll heißen, wenn es während der Sonnenfinsternis fast zur Nacht wird, glauben die Tiere und Pflanzen, es würde tatsächlich Nacht werden. Für die Menschen in besonderem Maße wahrnehmbar ist beispielsweise das plötzliche Verstummen vieler Vögel oder das Schließen von Pflanzenblüten. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass eigentlich nachtaktive Tiere ihr Nachtquartier verlassen (Nilpferde recken wie auf Kommando ihre Köpfe aus dem Wasser, Fledermäuse fliegen umher ...), während tagaktive Tiere "zu Bett" gehen (Schmetterlinge falten ihre Flügel zusammen und setzen sich zur Ruhe, Hühner laufen in den Stall, Bienen kehren in ihren Stock zurück). Wenn es nun nach dieser "vorgegaukelten" Nacht plötzlich wieder hell wird, ist die Verwirrung besonders in der Tierwelt enorm. Die Sonnenfinsternis ist für die Tiere nämlich außergewöhnlich und steht im Konflikt mit der inneren biologischen Uhr. Eine Rückkehr zum ursprünglichen Tagesablauf ist häufig schwierig.

Der Mensch kann die Sonnenfinsternis zwar erklären, verstehen und vorhersagen, wodurch sie nicht "aus heiterem Himmel kommt". Allerdings kann auch er sich nicht vollends den mit der Finsternis verbundenen Erscheinungen entziehen. Abgesehen davon, dass auch in jedem von uns eine innere biologische Uhr tickt, die nicht grenzenlos ausgetrickst werden kann, sorgt das Naturschauspiel bei einigen für eine mitunter überwältigende emotionale Berührung. Ob sich diese Emotionalität in einem extrovertierten "Ah! Oh!" oder doch eher in introvertiertem Schweigen äußerst, ist selbstverständlich eine Charakterfrage.

er sorgenvolle Blick der Betreiber der Stromübertragungsnetze beim Gedanken an die Sonnenfinsternis ist dagegen weniger eine Charakterfrage, als ein Ausdruck des Wunsches nach stetiger Netzstabilität. Grund ist der zuletzt stark angestiegene Anteil der Solarenergie an der gesamten Energieproduktion bzw. -einspeisung. Eine Sonnenfinsternis kann demnach unter bestimmten Umständen für enorme Leistungsschwankungen in den Stromnetzen sorgen. Das ist vor allem bei geringer Bewölkung und einer Sonnenfinsternis um die Mittagszeit der Fall. Bei überwiegend bedecktem Himmel und einer Finsternis in den frühen Morgen- oder Abendstunden sind die Schwankungen dagegen eher unproblematisch. In einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin wurde der Einfluss der partiellen Sonnenfinsternis im März 2015 auf die Solarstromerzeugung quantifiziert. In folgender Abbildung erkennt man schön den berechneten, markanten Einbruch der spezifischen Leistung bei wolkenlosem Himmel und den weniger markanten bei bedecktem Himmel. Dass sich die Sonnenfinsternis 2026 in Europa am Abend abspielt, dürfte die Netzbetreiber (und vielleicht auch die zahlreichen Betreiber eigener "Balkonkraftwerke") wohl beruhigen.

Tagesverlauf der spezifischen PV-Leistung ausgewählter Standorte auf einer Nord-Süd-Achse bei wolkenlosem (links) und bedecktem Himmel (rechts). https://solar.htw-berlin.de/wp-content/uploads/HTW-Studie-Sonnenfinsternis-Maerz-2015-Solarstromerzeugung-Deutschland.pdf

Zum Abschluss noch ein Blick auf das Wetter: Das scheint zumindest in weiten Teilen Europas mitzuspielen. Die Modelle simulieren kaum "störende" Wolken, sodass die Sicht auf die Sonne meistens frei sein dürfte. In diesem Sinne: Viel Spaß beim "Sofi-gucken" und vor allem einen nachfolgenden, interessanten Erfahrungsaustausch.

Wolken und Wetter am Mitwochabend. www.kachelmannwetter.de